Firmweg 18+: Thema Tod/Sterben

Das Thema des diesjährigen Firm- Weges 18+ heisst «Traumhaus». Jeder Firmand, jede Firmandin zeichnet und beschreibt das eigene Traumhaus. In den Traumhäuser kommen ganz persönliche Ideen und Wünsche zum Vorschein. Damit wir uns zu Hause wohlfühlen, muss einiges stimmen. Neben der Einrichtung sind es die Menschen, die in unserem Haus ein- und ausgehen, von grosser Bedeutung. Nicht alle will ich in meinem Haus haben.

An diesem Abend spielen die Menschen in unserem Umfeld eine wichtige Rolle.  Wir sprechen mit den Firmanden über Menschen, die in unserem zu Hause einen besonderen Platz hatten od. haben. Zu Beginn gucken wir zusammen den Kurzfilm «Schneckentraum». Der Film erzählt die Verlustsituation einer jungen Frau, die ihren «Schwarm» durch einen Unfall verliert, sich aber nie traute, ihn vorher anzusprechen, ihm die Schwärmerei zu gestehen. Der Film lässt offen, was mit der jungen Frau passiert. Was wird sie wohl tun?

Die Firmandinnen identifizieren sich mit Julia und können sich sehr gut in sie hineinversetzen, sie verstehen und mitfühlen. Wie es ihr nach dem Tod von Oliver ging. Die Firmanden hingegen hielten eher Abstand von dem jungen Mann. Der Film berührte die jungen Frauen viel mehr als die jungen Männer. Interessant wurde es bei der Frage: «Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich …»

Ja was würden sie tun, die jungen Erwachsenen? Feiern und Party machen, den letzten Tag so richtig geniessen, waren die meistgenannten Antworten.

Wiedergeburt oder Auferstehung

Auch die Frage: «wenn ich an den Tod denke, dann …» Darüber diskutierten die jungen Leute intensiv. Viele der Firmanden und Firmandinnen denken an ihre verstorbenen Freunde, Verwandte. Sie machen sich keine Gedanken über den eigenen Tod, da fast alle der Meinung sind, junge Menschen sollten nicht an den Tod denken müssen. Die einen glauben an die Wiedergeburt, andere an die Auferstehung.

Die persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod, mit der Tatsache: «Mir wird das Liebste genommen», verlangte von den Leitungspersonen grosses Fingerspitzengefühl, da diese Themen bei einigen Jugendlichen tiefe Gefühle wachriefen.

Die Jugendlichen setzten sich bei leiser Musik und Kerzenlicht mit einer Decke auf den Boden und machten es sich gemütlich. Alle Firmlinge erhielten fünf Karten und wir gaben den Jugendlichen die Gelegenheit in aller Ruhe zu überlegen, welche Menschen ihnen am wichtigsten sind.

Alleine leben nicht möglich

Die Firm-Begleitung erklärt den Firmanden, wir Menschen leben alle in einer Gemeinschaft. Allein könnte keiner leben. Wir brauchen Menschen, die uns ihre Liebe schenken. Menschen die wir lieben können. Für viele sind es Familienmitglieder, sind es Freunde oder Freundinnen. Manchmal ist es einem gar nicht so bewusst, wer alles zu diesen für einen wichtigen Menschen gehört.

Die nächste Aufgabe war, genau zu überlegen welche Menschen ihnen wichtig sind und fünf Namen auf je eine Karte zu schreiben. Es ging nicht um Punkte, um Siege, um Können, sondern letztendlich um das Gefühl der Liebe und der Sympathie. Es wurden  Namen auf die Karten geschrieben, die Namenszettel so auf den Tisch gelegt, dass keiner etwas lesen konnte. Dann nahm die Firm-Begleitung jedem eine Karte weg, legte sie verdeckt auf ein schwarze Tuch und erklärte den Firmanden: «Ich habe euch eine Karte genommen. Da steht der Name eines Menschen drauf, der euch viel bedeutet. Euch wurde vielleicht wirklich schon ein lieber Mensch genommen. In eurem Leben  werdet ihr diese Erfahrung noch öfters machen. Ihr werdet erleben wie eure Grosseltern, eure Eltern … sterben. Wie war das für euch, als ich euch einfach eine Karte weggenommen habe? Was würde euch trösten?

Es gab einen regen Austausch über Themen wie: Liebe, Angst, Verlust, Tod, Trauer.

Ein grosser Teil der Firmanden war geschockt, als sie herausfanden welche Person ihnen weggenommen wurde. Sie fanden es schwer, sich vorstellen zu müssen, dass von einer Sekunde auf die andere jemand den sie lieb haben, nicht mehr bei ihnen ist.Das gab allen zu denken. Wobei es einige dann doch wieder locker nahmen und sagten, «es ist ja nur ein Spiel.»

Stille Gedanken an verstorbene Angehörige

Dann folgte eine kurze Zeit der Stille. In dieser Zeit wurden alle Karten vom schwarzen auf das gelbe Tuch zur Osterkerze gelegt. Zum Schluss schrieben alle Firmanden den Namen eines lieben Menschen den sie verloren hatten auf eine Karte und legten diese mit einer Kerze auf das gelbe Tuch. Zum Zeichen dafür, dass dieser Mensch in den Herzen lebendig ist.

Jeder  Firmand und Firmandin erzählte dabei wer sie verloren haben. Grosseltern, Verwandte, Freunde.., fast alle erlebten das schon einmal und mussten von einem lieben Menschen Abschied nehmen.

Zum Schluss des Abends besuchten wir alle zusammen die Klosterkirche. Ein magischer Moment. Neben dem ewigen Licht leuchteten nur die Kerzen der Firmanden, Firmandinnen. Für einen Moment schien es, als bliebe die Zeit stehen.

Text: Christine Friedli

 

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